BEWEGEN | Kinderschutz NACHGEFRAGT … bei JOHANNA DRESCHER, Referentin für Verbandsthemen PRAXISNAHER SCHUTZ FÜR KINDER UND EHRENAMT Welche Situationen sind im Verbandsalltag besonders sensibel oder herausfordernd? Bei Ehrenamtlichen, die zum Beispiel Fahrradtrainings anbieten, er- lebe ich häufig Unsicherheit bezüglich Nähe und Distanz: In welchen Situationen und an welchen Körperstellen dürfen Kinder bei Hilfe stellungen angefasst werden? Darf ich ein Pflaster aufkleben, wenn ein Kind gestürzt ist, oder brauche ich dafür schon die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten? Neben Antworten auf konkrete Fragen, ging es auch darum, den ADFC und seine Aktiven auf den Umgang mit Verdachtsfällen vorzubereiten, denn das kann schnell überfordern und zu Konflikten führen. Gleichzeitig wollen wir erreichen, dass alle Beteiligten genau hinschauen und wissen, dass sie sich melden kön- nen, wenn sie zum Beispiel Verstöße beobachtet haben. Auch die Einsichtnahme in erweiterte Führungszeugnisse ist im ADFCAlltag herausfordernd. Es handelt sich zwar um ein „Stan- dardInstrument“ im Kinderschutz, bedeutet aber auch mehr Büro- kratie und Organisation: Wer sieht die Zeugnisse an? Wie muss das dokumentiert werden? Zusätzlicher Aufwand ist im Ehrenamt immer eine Heraus forderung. Wie geht der ADFC mit möglichen Vorbehalten um? Im ADFC passiert so vieles im Ehrenamt und ich verstehe, wenn ein Vorstand sagt: ‚Ich will doch nur den Radverkehr voranbringen, warum soll ich jetzt eine Schulung absolvieren, Führungszeugnisse einsehen, ein Konzept lesen.‘ Deshalb unterstützen wir von der Bundesebene aus mit einem praxisnahen Kinderschutzkonzept, übersichtlichen Checklisten für den Alltag und mit Beratung. Zusätz- licher Aufwand bleibt es zwar, aber Kinder und Jugendliche haben nun mal ein besonderes Schutzbedürfnis – und Kinderrechte umzu- setzen, geht nicht ohne Auseinandersetzung und Mehraufwand. Das ist aber auch eine Investition in die Zukunft. Nach zwei Jahren werden wir uns das Kinderschutzkonzept noch mal genau ansehen und gemeinsam mit Ehrenamtlichen sowie Kindern und Jugendlichen prüfen, wie es in der Praxis funk- tioniert und passen es bei Bedarf an. Zur verantwortungsvollen Kinder und Jugendarbeit gehören Schulungen zwingend dazu. Unsere BasisKinderschutzschulung dauert online nur drei Stunden – das ist sinnvoll investierte Zeit. 14 A D F C R A D W E LT Es geht ja nicht nur um den Schutz von Kindern, sondern auch darum, dass Ehrenamtliche weniger Sorge haben müssen, Fehler zu machen … Genau. Dass sie sich sorgen, ist nicht nur normal, sondern sogar super. Das heißt ja, dass sie ihr Handeln reflektieren und nicht einfach blind loslegen. Ehrenamtliche können mit anderen über Unsicherheiten oder Fragen sprechen, zum Beispiel mit anderen Ehrenamtlichen, die vor Ort etwas für Minderjährige auf die Beine stellen. Und falls es die nicht gibt, sind lokale Beratungsstellen oder die Kinderschutzschulungen in der ADFCAkademie der richtige Ort. Auch über die EMailAdresse kinderschutz@adfc.de können sich Ehrenamtliche Rat holen. Wie gelingt es, Schutzmaßnahmen umzusetzen, ohne das Engagement zu erschweren oder Menschen abzuschrecken? Ich denke auch andersrum: Wer sich schon anderswo engagiert hat und sich im ADFC einbringen möchte, erwartet ein Kinder- schutzkonzept und wäre abgeschreckt, wenn wir da nichts hätten. Und die Schutzmaßnahmen erleichtern das Engagement auch – denn statt Unsicherheit (Darf ich das? Was mache ich, wenn etwas passiert?) liefert das Kinderschutzkonzept einen klaren Rahmen. Klar, da kommt zusätzlicher Aufwand auf alle im ADFC zu. Damit der überschaubar bleibt, unterscheidet der Entwurf des Kinderschutzkonzepts aber zwischen Unterstützen- den, die zum Beispiel bei einer Kidical Mass die Kreuzungen ab sichern, und Betreuenden, die die Aufsichtspflicht bei einer Radtour für Minderjährige übernehmen. Unterstützende bekom- men eine kurze KinderschutzEinweisung durch jemanden, der die Kinderschutzschulung absolviert hat und unterschreiben, dass sie sich an den Verhaltenskodex halten und nicht einschlägig vor- bestraft sind – das ist sogar am Tag der Veranstaltung noch machbar. Wer Kinder betreut und begleitet, muss mit mehr Auf- wand rechnen, hat aber naturgemäß auch mehr Fragen, die unser Konzept beantworten kann. Infos und das komplette Interview online auf www.adfc.de/kinderschutz t a v i r p , g r e b n r ü N C F D A , r a b k c e D / C F D A : und im neuen E-Magazin. F o t o